Aus meiner Werkstatt …


Meine Geschichten und ich – das ist eine lange und ein wenig komplizierte Geschichte.

Ich schreibe sozusagen, seit ich schreiben kann: Aufsätze und Geschichten schon in der Grundschule; dann die erste lange Geschichte (= ein Jugendbuch); da war ich vierzehn. Eine Freundin half mir träumen – und so entstand der Erstling „Wenn du ein Geheimnis hast“ (Ensslin Verlag, 1978). Von da an ging es immer weiter. Nie, dass ich keine Geschichte in Arbeit hatte, die mich rief, vom Spielen weg, vom Hausaufgaben-Machen, vom Fernsehen sowieso. Wäre meine Mutter nicht gewesen, ich wäre zum Stubenhocker und Einzelgänger geworden. Sie aber schubste mich immer wieder raus ins Leben – woher dann ja auch meine Schreibideen kamen. Beim Ensslin-Verlag ging es mir gut. Ich wurde betreut und gefördert, so manches Manuskript wurde diskutiert und auch mit Änderungswünschen zurückgegeben – erschienen aber sind sie alle.

Das ging so, bis der Ensslin Verlag verkauft wurde, unter ein großes, und wie ich schmerzlich feststellte, sehr anonymes Dach. Von da an war ich abgeschnitten. Es gab keine Kontakte mehr mit dem Lektorat. Und meine Manuskripte blieben liegen.

Es war auch die Zeit, in der ich neue Wege suchte: weg vom Mädchenbuch, hin zu „richtigen“ Romanen. Als Fan von Tolkien – Rawlings gab’s damals noch nicht – reizte mich schon auch Fantasy. Aber ich war inzwischen tief in die Welt der antiken Mythologie eingetaucht und entdeckte, dass all die Fantasy-Motive dorther stammen. Und so kam mir eine – inzwischen muss ich sagen: meine – Idee: Die griechischen Mythen als Stoff zu verarbeiten in einem Fantasyroman. Ich schrieb den „Phaeton“ – erfand den Jungen Nikos, der aus Enttäuschung über seinen irdischen Vater in den Mythos flüchtet; er stellt sich vor, er sei der verlorene Sohn des Sonnengotts Apollon – und auf einmal ist es Wahrheit. Nikos erfährt: Die Welt der Götter existiert, parallel zur Menschenwelt, doch nicht ohne Berührungen. Ich beschrieb, wie Nikos-Phaeton auf den Wolkenberg geriet (den Olymp), den Göttern begegnet und sich unter ihnen behauptet. Und reichte den Roman, ca. 250 Seiten stark, bei einem Schreibwettbewerb ein.

Aber das war nur der Anfang. Der Stoff trug weiter, forderte einen zweiten, dritten, vierten Band. Und Phaeton konnte auch die römische Götterwelt kennenlernen (= weitere vier Bände). Ich schrieb mir alles von der Seele, was mich am Mythos fesselte, an Homer und Hesiod, Vergil und Ovids Metamorphosen. Ich lernte Nikos kennen, durch und durch, seine Ängste und Hoffnungen, seine Schwächen und Stärken. Heute sind mir Nikos und seine Familie, seine Freunde, seine Götter längst vertraute Begleiter.

Denn so ist das mit dem Schreiben, wenigstens für mich: Da ist der Reiz des Anfangs; ich erfinde meine Figuren, erfinde einen Plot (also Handlungsmotive und -wege; oft noch nicht das Ende). Und dann: Von einem bestimmten Zeitpunkt an sind die Figuren selbstständig. Sie sind so deutlich in ihren Eigenschaften und Zielen, dass sie allein weitermachen und die Handlung des Buches weiter bestimmen. Spannend ist das. Und faszinierend.

Aber natürlich ist da auch die andere Seite: Geschichten wollen gelesen werden. Die Suche nach einem Verlag wie Ensslin erwies sich leider als mühevoll, um nicht zu sagen, aussichtslos. Die großen Verlage schicken nur Standardantworten. Und viele, da bin ich sicher, lesen nicht einmal, was sie da ablehnen. Ein Dialog mit dem Autor findet nicht statt. Wie gern hätte ich reagiert, wenn man mir gesagt hätte: Ändern Sie den Anfang, den Schluss, die Anlage dieser oder jener Person … Schreiben Sie kürzere Sätze … Beschreiben Sie mehr/weniger … Stattdessen: „können wir leider … aufgrund der großen Zahl …“ Welch eine Qual für die Autorin, die mit Leib und Seele Geschichten schreibt.

Und darum jetzt diese Homepage: Ich will es wissen. Ich möchte gern wissen, wie meine Geschichten wirken, was an ihnen schon gut ist, was noch nicht. Ich will einen Workshop. Zur Zeit habe ich zwei Versionen des Phaeton-Mythos im Netz: das Kinderbuch „Janni und die Sonnenpferde“ und den Roman „Sonnensohn und Schattenbruder“. Und schreibe an einer weiteren Version – noch immer des ersten Bandes. (Die anderen sieben Bände wurden erst einmal geschrieben und harren der Überarbeitung.) Ich wünsche mir, dass Sie – hoffentlich viele Besucherinnen und Besucher meiner Page – Nikos lieb gewinnen wie ich und mir Rückmeldung geben können: Welches ist der lesenswerteste Weg für den Sonnenwagen Phaetons?